Scalable Capital vs Trade Republic: Wo der Unterschied wirklich liegt

Beide sind deutsche Vollbanken, führen die Steuer automatisch ab und rechnen Sparpläne kostenlos ab. Die Unterschiede liegen beim Kostenmodell für Einzelorders, bei den Handelsplätzen und beim Produktumfang. Mit Break-even-Rechnung für das PRIME+-Abo.
Trade Republic vs Scalable Capital

Inhalt

Scalable Capital und Trade Republic sind die beiden meistgenutzten Neobroker in Deutschland, und auf den ersten Blick sehen sie sich sehr ähnlich: deutsche Vollbanklizenz, keine Depotgebühr, kostenlose ETF-Sparpläne, automatischer Steuerabzug. Die Unterschiede liegen an drei Stellen, und keine davon ist der Preis pro Order. Es geht um das Kostenmodell, um die Handelsplätze und um den Produktumfang.

Die Kurzfassung

Trade Republic passt, wenn du wenige Einzelkäufe machst und die Sache einfach halten willst. Ein Euro pro Order, ein Handelsplatz, fertig.
Scalable Capital passt, wenn du häufiger handelst oder bewusst über Xetra gehen willst. Das Abomodell lohnt sich ab etwa fünf Trades im Monat.

Der direkte Vergleich

KriteriumTrade RepublicScalable Capital
Einzelorder1 € Fremdkostenpauschale, unabhängig vom VolumenFREE: 0,99 € pro Trade. PRIME+: 4,99 € im Monat, Trades ab 250 € ohne Ordergebühr
Sparpläne0 € Ausführung0 € Ausführung, ab 1 € Sparrate
Depotführung0 €0 € im FREE-Modell
HandelsplätzeLS Exchange als Ausführungsplatz, kein Xetra-ZugangWählbar zwischen gettex, EIX und Xetra
Xetra-OrderNicht vorgesehenZusatzgebühr je Order
RegulierungDeutsche Vollbank, BaFin und BundesbankDeutsche Vollbank, BaFin und Bundesbank
SteuernSteuereinfach, Abgeltungsteuer wird automatisch abgeführtSteuereinfach, Abgeltungsteuer wird automatisch abgeführt
Zinsen auf GuthabenVariabel, wird regelmäßig angepasstVariabel, im FREE-Modell mit Obergrenze, in PRIME+ ohne
Nur bei diesem AnbieterGirokarte mit Saveback, Private Markets, DerivateAktiv gemanagte Fonds, Wertpapierkredit, Robo-Advisor (Wealth)

Die Kostenfrage: ab wann lohnt sich das Abo?

Bei Sparplänen gibt es nichts zu entscheiden, weil die Ausführung bei beiden 0 € kostet. Interessant wird es nur bei Einzelkäufen, und dort lässt sich die Grenze ausrechnen.

PRIME+ kostet 4,99 € im Monat, also knapp 60 € im Jahr. Bei Trade Republic zahlst du 1 € pro Order. Das Abo rechnet sich also ungefähr ab 60 Orders im Jahr, das sind fünf im Monat, vorausgesetzt deine Orders liegen bei mindestens 250 €. Darunter fallen auch bei PRIME+ die 0,99 € an.

Orders pro Monat (je über 250 €)
Trade Republic
Scalable FREE
Scalable PRIME+
2 Orders
24 € im Jahr
24 € im Jahr
60 € im Jahr
5 Orders
60 € im Jahr
59 € im Jahr
60 € im Jahr
15 Orders
180 € im Jahr
178 € im Jahr
60 € im Jahr

Zwei Dinge fallen dabei auf. Erstens sind Trade Republic und Scalable FREE preislich praktisch identisch, der Unterschied von einem Cent pro Order ist irrelevant. Zweitens wird PRIME+ erst bei einem Handelsverhalten interessant, das die meisten Privatanleger gar nicht haben. Wer zwölfmal im Jahr kauft, zahlt bei beiden Anbietern rund 12 € und sollte die Entscheidung an etwas anderem festmachen.

Der Unterschied, der im Alltag mehr ausmacht: Handelsplätze

Hier liegt der eigentliche Trennstrich. Trade Republic führt Orders über einen einzigen Handelsplatz aus, einen Preisvergleich zwischen Börsen gibt es nicht. Scalable Capital lässt dich zwischen gettex, EIX und Xetra wählen.

Für einen ETF-Sparplan auf einen MSCI World spielt das keine Rolle, weil die Spreads bei liquiden Titeln während der Xetra-Handelszeiten überall eng sind. Relevant wird es in zwei Fällen: bei größeren Einzelorders, wo schon ein kleiner Unterschied im Ausführungskurs mehr ausmacht als jede Ordergebühr, und bei weniger liquiden Titeln wie Nebenwerten oder speziellen ETFs, wo die Spreads zwischen den Handelsplätzen deutlich auseinandergehen können.

Wer außerhalb der Xetra-Kernzeit von 9:00 bis 17:30 Uhr ordert, zahlt bei beiden Anbietern über den breiteren Spread drauf. Das ist kein Unterschied zwischen den beiden, aber es ist der Posten, an dem die meisten Privatanleger unbemerkt Geld verlieren.

Sicherheit und Verwahrung

Beide Anbieter haben eine deutsche Vollbanklizenz und stehen unter Aufsicht von BaFin und Bundesbank. Die Frage lautet also nicht, wer sicherer ist, sondern wie dein nicht investiertes Guthaben konkret verwahrt wird.

Bei Wertpapieren ist die Lage bei beiden identisch: Aktien und ETFs sind Sondervermögen und fallen im Insolvenzfall nicht in die Insolvenzmasse. Beim Cash wird es unterschiedlich. Beide verteilen Guthaben auf mehrere Banken, wodurch die Einlagensicherung von 100.000 € pro Kunde und Bank mehrfach greifen kann. Scalable Capital bezieht dabei je nach Tarif zusätzlich qualifizierte Geldmarktfonds ein, die formal keine Einlage sind und damit nicht unter die Einlagensicherung fallen, auch wenn sie in der Praxis sehr stabil sind.

Wer größere Beträge auf dem Verrechnungskonto liegen hat, sollte die aktuelle Verteilung im Kontoauszug prüfen. Beide Anbieter weisen sie aus.

BaFin-Eintrag von Trade Republic als deutsche Vollbank
BaFin-Eintrag von Scalable Capital als deutsche Vollbank

Was es nur beim jeweils anderen gibt

Beim Kernangebot aus Aktien, ETFs und Sparplänen nehmen sich beide wenig. Die Universen unterscheiden sich in der Zahl der handelbaren Titel, aber beide decken alles ab, was für ein normales Depot nötig ist. Interessanter sind die Bereiche, die nur einer von beiden hat.

Nur bei Scalable Capital: aktiv gemanagte Fonds, ein digital beantragbarer Wertpapierkredit und mit Scalable Wealth eine automatisierte Vermögensverwaltung. Wer neben dem Selbstentscheiden auch einen Teil delegieren möchte, kann das im selben Konto abbilden.

Nur bei Trade Republic: eine Girokarte mit Saveback-Funktion, über die ein Teil der Kartenumsätze in den Sparplan fließt, Zugang zu Private-Markets-Produkten und ein Derivateangebot. Die Karte ist der Grund, warum viele Nutzer Trade Republic als Bankersatz und nicht nur als Depot nutzen.

Für wen passt welcher Anbieter?

ProfilPasst besserWarum
ETF-Sparplan und sonst wenigBeideSparpläne kosten überall 0 €, entscheide nach App und Gefühl
Einsteiger ohne VorkenntnisseTrade RepublicEin Kostenmodell, ein Handelsplatz, weniger Entscheidungen
Mehr als fünf Orders im MonatScalable PRIME+Ab etwa 60 Orders im Jahr ist das Abo günstiger
Größere Einzelorders, Xetra gewünschtScalable CapitalDer bessere Ausführungskurs schlägt die Ordergebühr
Fonds oder Vermögensverwaltung gewünschtScalable CapitalAktive Fonds und Wealth nur dort verfügbar
Depot und Alltagskonto in einer AppTrade RepublicGirokarte mit Saveback gibt es nur dort

Fazit

Die ehrliche Antwort ist, dass es für die meisten Anleger kaum einen Unterschied macht. Beide sind deutsche Vollbanken, beide führen die Steuer automatisch ab, beide führen Sparpläne kostenlos aus, und bei zwölf Einzelkäufen im Jahr liegt die Kostendifferenz im einstelligen Eurobereich.

Entscheidend wird die Wahl erst an den Rändern. Wer viel handelt, spart mit dem Abo von Scalable spürbar. Wer Xetra oder aktive Fonds braucht, hat bei Trade Republic gar keine Option. Wer umgekehrt eine Karte mit Cashback ins Depot will, findet sie nur bei Trade Republic. Und wer sich unsicher ist: Ein Depotwechsel ist in Deutschland kostenlos und löst keinen steuerpflichtigen Verkauf aus, die Entscheidung ist also revidierbar. Eine breitere Übersicht über den Markt bietet der Online-Broker-Vergleich, und wer nur nach Sparplänen sucht, findet die Details im ETF-Sparplan-Vergleich.

Häufige Fragen

Haftungsausschluss:

*Kapitalanlagen bergen Risiken. Der Wert Ihrer Anlage kann steigen oder fallen, und Sie erhalten unter Umständen nicht den investierten Betrag zurück. Frühere Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für die künftige Wertentwicklung.