Geldanlage

Geld verdienen wenn die Börse fällt – klingt paradox, ist aber möglich. Der S&P 500 und der Nasdaq haben seit ihren Hochs bereits über 10 % korrigiert, der DAX ist ebenfalls unter Druck. Öl über 100 USD, VIX bei 34 Punkten, geopolitische Eskalation im Nahen Osten: Die Nervosität an den Märkten ist real.
Die meisten Anleger erstarren in solchen Phasen. Dabei bieten Bärenmärkte echte Chancen – vorausgesetzt, du weißt, welche Werkzeuge es gibt und welches Risiko sie mitbringen. In diesem Artikel zeigen wir vier konkrete Strategien: von der konservativen Nachkauf-Methode bis zum spekulativen Short über Futures.
Der aktuelle Rückgang hat einen konkreten Auslöser: die aktive Beteiligung der USA am Konflikt zwischen Israel und Iran. Die Blockade der Straße von Hormus hat den Ölpreis über 100 USD pro Barrel getrieben – ein Niveau, das in den letzten 25 Jahren nur zweimal erreicht wurde: während der Finanzkrise 2008 und nach der russischen Invasion in der Ukraine 2022.

Die Folgen ziehen sich durch alle Sektoren: Teures Öl verteuert die gesamte Wertschöpfungskette – von der Landwirtschaft über die Industrie bis zum Transport. Die Angst vor einer zweiten Inflationswelle hat den VIX (den „Angstindex" des S&P 500) auf 34 Punkte getrieben – der dritthöchste Wert seit 2020, nur übertroffen vom Covid-Crash und der Zollkrise 2025.

Für europäische Anleger kommt hinzu, dass Europa – anders als die USA – keine Energieautarkie besitzt. Ein dauerhaft hoher Ölpreis trifft den DAX, den STOXX 600 und die exportorientierte deutsche Wirtschaft besonders hart.
Rückschläge von 10–20 % kommen regelmäßig vor. Seit 1980 hat der S&P 500 sieben größere Einbrüche erlebt – jedes Mal mit unterschiedlicher Tiefe und Dauer.

| Ereignis | Rückgang (ca.) | Dauer bis Tief | |||
|---|---|---|---|---|---|
| Schwarzer Montag (1987) | –33 % | ~2 Monate | |||
| Dotcom-Blase (2000–2002) | –49 % | 30 Monate | |||
| Finanzkrise (2007–2009) | –57 % | 17 Monate | |||
| Covid-Crash (2020) | –34 % | ~6 Wochen | |||
| Inflation & Zinsschock (2022) | –25 % | 10 Monate | |||
| Trump-Zölle (2025) | –20 %+ | ~3 Monate | |||
| Nahost-Krise (2026) | –12 % (bisher) | ??? |
| Ereignis | Rückgang (ca.) | Dauer bis Tief |
|---|---|---|
| Schwarzer Montag (1987) | –33 % | ~2 Monate |
| Dotcom-Blase (2000–2002) | –49 % | 30 Monate |
| Finanzkrise (2007–2009) | –57 % | 17 Monate |
| Covid-Crash (2020) | –34 % | ~6 Wochen |
| Inflation & Zinsschock (2022) | –25 % | 10 Monate |
| Trump-Zölle (2025) | –20 %+ | ~3 Monate |
| Nahost-Krise (2026) | –12 % (bisher) | ??? |
Zwei Muster fallen auf: Die Einbrüche werden im Schnitt heftiger, aber sie dauern kürzer. Der durchschnittliche Rückgang der letzten 40 Jahre liegt bei rund 33 %, die durchschnittliche Dauer bei etwa 12 Monaten. Der aktuelle Rückgang hat aktuell 12 % erreicht – es gibt also statistisch gesehen Raum für weitere Verluste von 10–15 Prozentpunkten, sollte sich der Konflikt nicht entspannen.
Die einfachste und für die meisten Anleger sinnvollste Strategie in einem Bärenmarkt: weiterkaufen. DCA (Dollar Cost Averaging) bedeutet, einen festen Betrag in regelmäßigen Abständen zu investieren – unabhängig vom aktuellen Kurs. Wenn die Kurse fallen, bekommst du für denselben Betrag mehr Anteile. Wenn sie steigen, weniger. Über die Zeit glättet sich der Einstiegspreis.
Das klingt banal, ist aber historisch extrem wirkungsvoll: Wer 1929 – am absoluten Höhepunkt vor dem schlimmsten Crash der Geschichte – eine Einmalanlage getätigt hätte, hätte 20 Jahre gebraucht, um wieder auf null zu kommen. Wer nach dem Crash zusätzlich per DCA weiter investiert hätte, war nach nur 5 Jahren im Plus.

In der Praxis setzt du DCA am einfachsten über einen ETF-Sparplan um. Wer auf breit gestreute Welt-ETFs setzt (MSCI World, FTSE All-World), profitiert langfristig von der globalen Erholung – egal welches einzelne Land oder welcher Sektor gerade besonders leidet. Besonders in Crash-Phasen kann es sich auch lohnen, gezielt in defensive Sektoren nachzukaufen: Basiskonsumgüter, Gesundheit, Versorger und dividendenstarke Titel schwanken typischerweise weniger als der Gesamtmarkt.
| Broker | Sparplan-Gebühr | ETF-Auswahl | |||
|---|---|---|---|---|---|
| Trade Republic | 0 € | 2.500+ | |||
| XTB | 0 € (bis 100k € Vol.) | 750+ | |||
| Trading 212 | 0 € | 4.000+ |
| Broker | Sparplan-Gebühr | ETF-Auswahl |
|---|---|---|
| Trade Republic | 0 € | 2.500+ |
| XTB | 0 € (bis 100k € Vol.) | 750+ |
| Trading 212 | 0 € | 4.000+ |
DCA eliminiert das Risiko nicht – aber es verteilt es über die Zeit und schützt dich vor dem schlimmsten Fehler: aus Panik gar nicht mehr zu investieren. Wer die Auswirkung seiner Sparrate langfristig berechnen möchte, kann unseren ETF-Sparplanrechner nutzen.
Inverse ETFs sind Produkte, die steigen, wenn der zugrunde liegende Index fällt. Ein inverser S&P-500-ETF gewinnt 1 %, wenn der Index 1 % verliert. Es gibt auch gehebelte Varianten (2x, 3x), die Bewegungen verstärken – und damit auch das Risiko.
Der Vorteil: Du kannst dein bestehendes Portfolio absichern, ohne eine einzige Position verkaufen zu müssen. Das bedeutet: keine Steuerpflicht auf realisierte Gewinne, keine Neukauf-Kosten beim nächsten Aufwärtstrend. Du hältst einfach einen inversen ETF als Gegengewicht.
| ETF | Hebel | Rendite 2025 | |||
|---|---|---|---|---|---|
| Xtrackers S&P 500 Inverse Daily Swap UCITS | 1x | +15 % | |||
| WisdomTree Nasdaq 100 3x Daily Short | 3x | +43 % | |||
| Amundi MSCI USA Daily (–1x) Inverse UCITS | 1x | +10 % |
| ETF | Hebel | Rendite 2025 |
|---|---|---|
| Xtrackers S&P 500 Inverse Daily Swap UCITS | 1x | +15 % |
| WisdomTree Nasdaq 100 3x Daily Short | 3x | +43 % |
| Amundi MSCI USA Daily (–1x) Inverse UCITS | 1x | +10 % |
Wichtige Warnung: Inverse ETFs replizieren die Tagesperformance – nicht die Gesamtperformance über längere Zeiträume. In volatilen Seitwärtsmärkten können sie Wert verlieren, selbst wenn der Index am Ende tiefer steht als am Anfang. Sie eignen sich daher nur als kurzfristiges taktisches Werkzeug, nicht als Daueranlage.
Wer aktiv auf fallende Kurse spekulieren will, kann über Futures direkt „short gehen" – also auf sinkende Preise setzen. Ein Futures-Kontrakt ist eine Vereinbarung, einen Basiswert zu einem festgelegten Preis in der Zukunft zu kaufen oder verkaufen. Wenn du einen Future verkaufst und der Kurs danach fällt, ist die Differenz dein Gewinn.
| Futures-Kontrakt | Wert pro Punkt | Typische Kommission | |||
|---|---|---|---|---|---|
| E-Mini S&P 500 | 50 USD | ~6 USD | |||
| Micro E-Mini S&P 500 | 5 USD | ~1,25 USD | |||
| E-Mini Nasdaq 100 | 20 USD | ~6 USD | |||
| Micro E-Mini Nasdaq 100 | 2 USD | ~1,25 USD |
| Futures-Kontrakt | Wert pro Punkt | Typische Kommission |
|---|---|---|
| E-Mini S&P 500 | 50 USD | ~6 USD |
| Micro E-Mini S&P 500 | 5 USD | ~1,25 USD |
| E-Mini Nasdaq 100 | 20 USD | ~6 USD |
| Micro E-Mini Nasdaq 100 | 2 USD | ~1,25 USD |
Beispiel
Du verkaufst einen E-Mini S&P 500 Future bei 5.500 Punkten. Der Index fällt auf 5.400 – das sind 100 Punkte × 50 USD = 5.000 USD Gewinn. Steigt der Index stattdessen auf 5.600, verlierst du 5.000 USD. Die Hebelwirkung macht Futures zu einem zweischneidigen Schwert.
| Strategie | Risiko | Erfahrung nötig? | Kapital nötig? | ||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| DCA / Nachkaufen | 🟢 Gering | Nein | Ab 1 €/Monat | ||||
| Inverse ETFs | 🟡 Mittel | Etwas | Ab ~100 € | ||||
| Futures (Short) | 🔴 Hoch | Ja | Ab ~5.000 € |
| Strategie | Risiko | Erfahrung nötig? | Kapital nötig? |
|---|---|---|---|
| DCA / Nachkaufen | 🟢 Gering | Nein | Ab 1 €/Monat |
| Inverse ETFs | 🟡 Mittel | Etwas | Ab ~100 € |
| Futures (Short) | 🔴 Hoch | Ja | Ab ~5.000 € |
Nichts tun ist auch eine Entscheidung – und meistens die schlechteste. Wer im Crash einfach abwartet, ohne nachzukaufen, verpasst die günstigsten Einstiegspreise und lässt den Zinseszinseffekt ungenutzt. Wer panisch verkauft, realisiert Verluste und verpasst die anschließende Erholung. Beides ist teuer.
Die historische Evidenz zeigt: Die besten Tage an der Börse liegen fast immer direkt nach den schlechtesten. Wer in den letzten 20 Jahren die 10 besten Börsentage des S&P 500 verpasst hat, hat mehr als die Hälfte der Gesamtrendite eingebüßt. Stillhalten kostet – aktiv bleiben zahlt sich aus.
Geld verdienen wenn die Börse fällt ist keine Fantasie – es erfordert aber Disziplin, Wissen und die richtige Strategie. Für die meisten Privatanleger ist DCA über ETF-Sparpläne die klügste Antwort: einfach, kostengünstig und historisch bewährt. Wer etwas mehr Erfahrung mitbringt, kann mit inversen ETFs kurzfristig sein Depot absichern. Futures und Optionen sind mächtige Werkzeuge, aber sie gehören nur in die Hände von Anlegern, die das Verlustrisiko wirklich verstehen.
Was alle Strategien gemeinsam haben: Sie erfordern, dass du im Bärenmarkt aktiv bleibst – statt zu erstarren. Die Geschichte zeigt, dass jeder Crash eine Erholung nach sich zieht. Wer in der Panik kauft, wird im nächsten Aufschwung belohnt. Wer in der Panik verkauft, bezahlt den höchsten Preis.
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