Trade Republic Gebühren: 1 € pro Order — und wo die versteckten Kosten liegen

Trade Republic berechnet 1 Euro Fremdkostenpauschale pro Kauf und Verkauf; ETF- und Aktiensparpläne sind dauerhaft kostenlos, Krypto-Sparpläne nicht. SEPA-Einzahlungen sind gratis, Kreditkarte und Apple Pay kosten 1 %. Seit dem PFOF-Verbot vom 1. Juli 2026 ist die Pauschale unverändert geblieben.
Trade Republic Gebühren 2026 mit 1-Euro-Ordergebühr, LS Exchange und PFOF-Verbot ab Juli

Inhalt

Das Trade Republic Depot verursacht keine jährliche Grundgebühr – kostenlos ist der Handel deshalb aber nicht. Die 1-Euro-Pauschale pro Order, der Spread am Handelsplatz und der 1 %-Aufschlag bei Kartenzahlungen sind reale Kosten, die je nach Nutzungsverhalten unterschiedlich stark ins Gewicht fallen. Dieser Artikel erklärt, was die einzelnen Gebühren bedeuten, wo die versteckten Posten liegen – und was sich seit dem PFOF-Verbot vom 1. Juli 2026 tatsächlich geändert hat.

Kostenstruktur auf einen Blick

Produkttyp
Ordergebühr
Hinweis
Aktien (Kauf/Verkauf)
1 € Fremdkostenpauschale
+ Spread am Handelsplatz
ETFs (Kauf/Verkauf)
1 € Fremdkostenpauschale
+ Spread am Handelsplatz
ETF- und Aktiensparpläne
0 €
Dauerhaft kostenlos, ab 1 €/Monat
Kryptowährungen
1 € + Spread
Spread je nach Asset; auch bei Krypto-Sparplänen fällt die Pauschale an
Anleihen / Fixed Income
1 € Fremdkostenpauschale
+ Spread am Handelsplatz
Depotgebühr
0 €
Kein jährlicher Grundpreis
Einzahlung per SEPA
0 €
Standard-Überweisung kostenlos
Einzahlung per Kreditkarte / Apple Pay / Google Pay
1 % des Betrags
Aufschlag auf den Einzahlungsbetrag
Auszahlung (SEPA)
0 €
Kostenlos ohne Mindestbetrag
Inaktivitätsgebühr
0 €
Keine Strafgebühr bei Nichtnutzung

Die 1-Euro-Fremdkostenpauschale: Was steckt dahinter?

Die 1-Euro-Pauschale ist keine Orderkommission, die Trade Republic als Gewinn einbehält. Es handelt sich um eine Fremdkostenpauschale – Trade Republic gibt damit die anfallenden Kosten für Abwicklung, Clearing und die Verarbeitung am Handelsplatz weiter. Sie erscheint in den gesetzlich vorgeschriebenen Ex-ante- und Ex-post-Kostendokumenten als drittparteiliche Kostenstelle.

Die Pauschale fällt pro Transaktion an – einmal beim Kauf und einmal beim Verkauf. ETF- und Aktiensparpläne sind davon ausgenommen, Krypto-Sparpläne nicht.

Handelsplatz und Handelszeiten

Trade Republic wickelte den Handel lange ausschließlich über den LS Exchange ab, ein elektronisches Handelssystem an der Börse Hamburg mit Lang & Schwarz als Market Maker. Im Januar 2026 erhielt das Unternehmen von der BaFin eine MTF-Lizenz und betreibt seitdem einen eigenen Handelsplatz — die strukturelle Antwort auf das PFOF-Verbot, das weiter unten erklärt wird. Für die Kryptoverwahrung ist weiterhin BitGo Europe GmbH (Frankfurt, BaFin-reguliert) zuständig, siehe Trade Republic Krypto.

Für die Kosten im Alltag bleibt eines unverändert: Ein direkter Xetra-Zugang ist nicht vorgesehen. Gehandelt wird von 07:30 bis 23:00 Uhr (Mo–Fr), also deutlich länger als an der Xetra (09:00–17:30 Uhr). Der Haken: Außerhalb der Xetra-Kernzeit können sich die Spreads erheblich ausweiten, weil die Referenzliquidität fehlt. Ein Trade um 20:00 Uhr ist dadurch faktisch teurer als derselbe Trade um 12:00 Uhr, obwohl die Fremdkostenpauschale identisch bleibt.

Sparpläne: dauerhaft ohne Ordergebühr

ETF-Sparpläne werden ohne Fremdkostenpauschale ausgeführt – weder bei der Einrichtung noch bei den einzelnen Ausführungen. Das gilt für die sparplanfähigen ETFs und Aktien; die Mindestrate liegt bei 1 € im Monat.

Damit sind Sparpläne der kosteneffizienteste Weg, bei Trade Republic langfristig Vermögen aufzubauen. Wer monatlich 100 € per Sparplan investiert, zahlt 0 € Ordergebühr. Dieselbe Person, die stattdessen zwölfmal im Jahr manuell für 100 € kauft, zahlt 12 € allein an Fremdkostenpauschale — bei einer Anlagesumme von 1.200 € entspricht das 1 % Kostenquote, nur für die Ausführung.

Davon unabhängig fällt die Vorabpauschale an, die Trade Republic als deutsche Bank automatisch abführt. Dafür muss im Januar ausreichend Guthaben auf dem Verrechnungskonto liegen.

Gebühren für Kryptowährungen

Krypto folgt einer anderen Logik als Aktien und ETFs: Zur 1-Euro-Fremdkostenpauschale kommt ein prozentualer Spread, der je nach Asset deutlich variiert — bei Bitcoin und Ethereum fällt er spürbar niedriger aus als bei kleineren Altcoins. Und anders als bei ETFs greift die 0-Euro-Regel hier nicht: Auch bei Krypto-Sparplänen wird die 1-Euro-Pauschale je Ausführung berechnet.

Das macht Trade Republic für Krypto zur bequemen, aber nicht zur günstigsten Lösung: Wer regelmäßig kleinere Beträge in Coins investiert, zahlt bei jeder Ausführung Pauschale plus Spread. Spezialisierte Anbieter rechnen hier anders ab — der Krypto-Broker-Vergleich stellt die Kostenmodelle gegenüber. Der wesentliche Vorteil von Trade Republic bleibt die steuerliche Abwicklung aus einer Hand.

Spreads: der eigentliche Kostenfaktor im Alltag

Bei liquiden Aktien und ETFs ist der Spread innerhalb der Xetra-Handelszeiten (09:00–17:30 Uhr) sehr eng — er fällt im Verhältnis zur 1-Euro-Pauschale kaum ins Gewicht. Bei einem Kauf über 1.000 € liegen die Gesamtkosten damit im Bereich von rund 1,50 €.

Außerhalb dieser Zeiten — früh morgens und abends — weiten sich die Spreads aus, und zwar unabhängig von der Ordergebühr. Wer regelmäßig in der Tagesrandzeit handelt, sollte das einkalkulieren. Die praktische Regel: Wenn Kostenoptimierung Priorität hat, innerhalb der Xetra-Kernzeit ordern oder gleich auf einen Sparplan umstellen, der das Problem strukturell umgeht.

Einzahlung und Auszahlung: Achtung beim Zahlungsweg

SEPA-Überweisungen sind kostenlos, sowohl für Einzahlungen als auch für die Auszahlung. Wer dagegen in der App per Kreditkarte, Apple Pay oder Google Pay einzahlt, zahlt 1 % des Einzahlungsbetrags. Bei 500 € sind das 5 € Extrakosten — mehr als die Ordergebühr von fünf Käufen.

Für regelmäßige oder größere Einzahlungen lohnt deshalb immer die kostenlose SEPA-Überweisung. Karte und digitale Wallets sind nur sinnvoll, wenn Schnelligkeit ausnahmsweise vor Kosten geht.

Das PFOF-Verbot: Was sich seit dem 1. Juli 2026 geändert hat

Rechtlicher Rahmen

Das Payment-for-Order-Flow-Verbot nach Verordnung (EU) 2024/791 (MiFIR-Revision, in Kraft seit 28. März 2024) gilt EU-weit. Deutschland nutzte die in Art. 39a Abs. 2 vorgesehene Übergangsfrist bis zum 30. Juni 2026. Seit dem 1. Juli 2026 ist PFOF in Deutschland vollständig verboten.

Was PFOF war und warum es verboten wurde

Payment for Order Flow bezeichnete die Praxis, bei der ein Market Maker einer Handelsplattform eine Vergütung dafür zahlte, dass Kundenorders exklusiv über ihn geleitet wurden. Bei Trade Republic machte dieser Mechanismus nach eigenen Angaben unter 30 % der Gesamteinnahmen aus, ohne dass Kundinnen und Kunden dafür direkt zahlten. Der niedrige Preis von 1 € pro Order war also teilweise durch Zahlungsströme im Hintergrund subventioniert.

Der Kritikpunkt war ein Interessenkonflikt: Wer für die Orderweiterleitung zahlt, hat ein Eigeninteresse daran, günstige Spreads nur innerhalb bestimmter Grenzen anzubieten. Nach Auffassung der ESMA stand das Modell im Widerspruch zur Pflicht der bestmöglichen Ausführung („Best Execution“).

Sind die Gebühren gestiegen?

Nein. Trade Republic hatte sich früh vorbereitet — mit der MTF-Lizenz vom Januar 2026 und einem eigenen Handelsplatz — und die 1-Euro-Fremdkostenpauschale ist unverändert geblieben. Das Geschäftsmodell ruht seitdem auf drei Säulen: der Pauschale, den Zinserträgen aus nicht investiertem Kundenguthaben und den Spread-Einnahmen über den eigenen Handelsplatz. Die Verzinsung des Guthabens ist dabei variabel und wird regelmäßig angepasst.

Beobachten sollte man trotzdem den Spread: Wenn die Einnahmen aus der Orderweiterleitung wegfallen, ist der Spread der naheliegende Ort, an dem ein Anbieter das kompensieren kann. Für Anleger heißt das konkret, die Ausführungskurse gelegentlich mit dem Xetra-Referenzkurs abzugleichen — besonders außerhalb der Kernhandelszeit.

Wann lohnt sich das Gebührenmodell?

NutzungsprofilBewertungBegründung
ETF-Sparplan, langfristig✅ Sehr günstig0 € Ordergebühr, ideal für regelmäßiges Investieren
Gelegentliche Einzelorders über 500 €✅ Günstig1 € auf 500 € entspricht 0,20 % — unter den meisten Alternativen
Häufige Kleinorders unter 50 €⚠️ Teuer1 € auf 50 € entspricht 2,0 % effektiver Gebühr
Aktiver Handel, viele Orders❌ Nicht geeignetEingeschränkte Ordertypen, kein Xetra-Zugang, Spread-Risiko abends
Kryptowährungen⚠️ MittelPauschale plus Spread, auch im Sparplan — teurer als dedizierte Anbieter

Fazit

Trade Republic hat eine der einfachsten Gebührenstrukturen unter deutschen Brokern: 1 € pro Order, 0 € für ETF- und Aktiensparpläne, 0 € Depotgebühr, keine Inaktivitätsgebühr. Wer hauptsächlich per Sparplan investiert, zahlt für die Ausführung effektiv nichts — und muss sich um die Steuer nicht kümmern, weil die Abgeltungsteuer automatisch abgeführt wird.

Die realen Kosten liegen woanders: im Spread außerhalb der Xetra-Kernzeit, im 1-%-Aufschlag bei Karteneinzahlungen und in der Krypto-Abrechnung, bei der auch Sparpläne die Pauschale kosten. Alle drei lassen sich durch Verhaltensanpassungen weitgehend neutralisieren — SEPA statt Karte, Handelszeiten beachten, Sparplan statt Einzelorder. Das PFOF-Verbot hat daran bislang nichts geändert; die Pauschale ist geblieben.

Häufig gestellte Fragen zu den Trade Republic Gebühren